09.02.2017

Wichtig für Mensch und Wirtschaft

von Johannes Schneider

Meine Damen und Herren!

„Ihre Sparkasse ist wichtig für die Menschen in der Region. Mit einem Marktanteil von über 50 Prozent im Privatkunden-Bereich ist sie der wichtigste Finanzdienstleister vor Ort – und mit 55 Filialen und SB-Einrichtungen auch in Ihrer Nähe.

Auch die regionale Wirtschaft profitiert von der Sparkasse. Denn die Berater aus dem Firmen- und Geschäftskunden-Bereich kennen die Region besonders gut. Wichtige Entscheidungen werden schnell und direkt vor Ort getroffen. Zum Beispiel über die Vergabe von Krediten oder die Unterstützung von Existenzgründern.

Mit einer Bilanzsumme von 2,61 Milliarden Euro und über 100.000 Kunden ist die Sparkasse ein starker Partner und wichtiger Wirtschaftsfaktor“

Meine Damen und Herren! Wer sagt das?

Dieses Werbe-Zitat findet man noch am 24. Januar auf der Internetseite der Sparkasse EMH – acht Tage vor der Schließung eines Großteils dieser Einrichtungen. Übrigens: Wenn ich richtig rechne, werden nicht – wie immer kommuniziert – 15 SB-Standorte abgebaut, sondern 28! Denn auch an den Geschäftsstellen standen während der Dienstzeiten, aber eben auch nachts und an den Wochenenden und Feiertagen Geldautomaten und Kontoauszugsdrucker zur Verfügung!

13 feste und eine eine mobile Geschäftsstelle(n) sowie 28 Selbstbedienungsanlagen werden auf einen Schlag geschlossen – wenn das kein Kahlschlag ist!

Ich möchte gar nicht in Zweifel ziehen, dass die Vorstandsmitglieder der Sparkasse subjektiv das Beste für ihre Bank wollen!

Aber mir ist unwillkürlich der Titel eines Films in den Sinn gekommen: „Lina Braaake oder: Die Interessen der Bank können nicht die Interessen sein, die Lina Braake hat.“ Wenn man Lina Braake durch die beiden K-Wörter Kommunen und Kunden ersetzt, sind wir am Punkt: Die Sparkasse ist keine hundsgewöhnliche Geschäftsbank, bei der die Gewinnmaximierung zugunsten der Eigner das einzige und höchste Ziel ist. Sie ist eine kommunale Bank mit einem öffentlichen Auftrag.

Und genau deshalb müssen die Öffentlichkeit, die Kunden, die Bürgermeister der betroffenen Kommunen wissen und diskutieren und mitentscheiden dürfen, wie es in Zukunft weitergehen soll.

Wenn man den Mitgliedern des Verwaltungsrates die Vorschläge des Vorstandes plausibel machen konnte, warum nicht auch anderen mit Verstand begabten Menschen? Warum wurden die demokratisch legitimierten Mitglieder der Zweckverbandsversammlung weder informiert noch gefragt? Wenn statt dessen argumentiert wird, „man habe die Entscheidung nicht zerredet haben wollen“, dann offenbart das für mich eine erschreckend negative Einstellung zur Demokratie: Demokratie heißt doch genau, dass man erst öffentlich die Fakten offen legt, darüber streitig diskutiert, Meinungen austauscht und dann am Ende zu einem Ergebnis kommt, das von einer Mehrheit für gut befunden und auch von der Minderheit akzeptiert wird.

Meine Damen und Herren, ich möchte noch auf den einen oder anderen Detailpunkt eingehen: Was die Versorgung der Bevölkerung mit Bargeld angeht, wurde von Herrn Schermann darauf verwiesen, dass schon jetzt ältere und immobile Kunden von Mitarbeitern direkt mit Bargeld versorgt werden. Schön und gut. Aber es ist eine freiwillige Leistung, die auf keine Weise dauerhaft und für alle garantiert ist.

Außerdem haben bereits zwei Genossenschaftsbanken die Vereinbarung zur gegenseitigen kostenlosen Nutzung ihrer Geldautomaten gekündigt. Andere werden über fairere Bedingungen wegen der einseitig veränderten Kosten verhandeln wollen. Die Erfahrung lehrt, dass Konzentrationsprozesse sich verselbständigen. Wer garantiert uns, dass nicht auch der Standort Bernkastel-Kues (z. B. bei weiteren Fusionsschritten) zur Disposition steht?

Es wurde auch betont, es gäbe keine unmittelbaren Entlassungen. Aber es wird auch keine Neueinstellungen und kaum noch Ausbildung geben, was die Zahl der Arbeitsplätze auf jeden Fall reduzieren wird.

Ökologisch betrachtet: Es ist besser, ein Lehrer fährt, als 40 Schüler, es ist besser ein Bankangestellter fährt, als100 Kunden! Ökonomisch betrachtet: die Fahrtkosten werden von der Bank auf den Kunden übertragen! Wenn davon gesprochen wird, dass durch diese für die Region einschneidenden Maßnahmen eine knapp im siebenstelligen Bereich liegende Einsparung zu erzielen sei, dann sind das etwa 0,05 bis 0,1 % der Bilanzsumme. Wenn man auf der anderen Seite davon ausgehen muss, dass die Sparkasse Kunden, Reputation und Vertrauen verlieren wird, wo bleibt dann unter dem Strich der Gewinn?

Ich hoffe sehr, dass Vorstand und Verwaltungsrat jetzt nicht nach dem Motto handeln: Augen zu und durch!, sondern im Interesse der Kunden, der Kommunen und nicht zuletzt der Sparkasse selbst noch einmal nachdenken, mit Betroffenen sprechen und dann vielleicht eine einvernehmliche Entscheidung treffen!

Johannes Schneider, ÖDP im Verbandsgemeinderat Bernkastel-Kues